Freiklang – Improvisation zwischen Ka und C

- experimentelle Tendenzen aus den Bereichen Musik, Performance und bildender Kunst mit einer Ausstellung zu unterschiedlichen künstlerischen Aktionen in Karl-Marx-Stadt und Chemnitz -

Ein gemeinsames Projekt von „Jazzclub Fuchs“ e.V. Chemnitz , B.I.G .e.V. Chemnitz sowie der „Blues & More Initiative“.

Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtages beschlossenen Haushaltes, außerdem mitfinanziert durch den Kulturraum der Stadt Chemnitz sowie mit freundlicher Unterstützung durch den Kfz-Meisterbetrieb Bondzio.

JohnButcher - Wilbert de Joode - Martin Blume Trio (GB, NL, D)

Dienstag, 11. September 2018                                                                                    
Neue Sächsische Galerie, Moritzstraße 20, 09111 Chemnitz


JOHN BUTCHER, TENOR-, SOPRAN-SAXOPHONE
WILBERT DE JOODE, DOUBLE BASS
MARTIN BLUME DRUMS, PERCUSSIONS



aktuelle CD LOW YELLOW
MARTIN BLUME - WILBERT DE JOODE - JOHN BUTCHER JW 184
www.jazzwerkstatt.eu/menu

John Butcher ist nach Evan Parker wohl der bedeutendste britische Saxophonist. In seinen zahlreichen Solis, aber auch im Duo und anderen Gruppen hat er das Saxophonspiel überzeugend revolutioniert und zu einem neuen Standard geführt. Man spricht heute schon von einer „John Butcher-Schule“. „Kaum jemand, der über John Butcher schreibt, versäumt es, Evan Parker als Bezugsgröße zu nennen, doch obwohl dessen Einfluss unbestreitbar ist, gibt es bei der Anwendung der ´extended technique´ wesentliche Unterschiede zwischen den beiden. Butchers Musik scheint immer in dem sie umgebenden Raum verankert zu sein: winzige Klangfragmente werden in den Äther gesandt, multiphonische Muster und ungewöhnliche Harmonien wechseln sich ab mit spannungsvollen Pausen, und aus den Momenten der Ruhe steigen Wolken zarter Obertöne auf und kehren in sie zurück wie fallender Regen. (...)“ (Steve Lake)

Er spiele nicht mehr Bass, er sei selbst zum Bass geworden, lautet ein hübsches Kompliment eines Kollegen an den Niederländer Wilbert de Joode der seit Jahren mit seinem spektakulären Spiel auf sich aufmerksam macht. Er ist gegenwärtig einer der meistbeschäftigten Bassisten der europäischen Improvisationsszene. Durch seine Individualität und Musikalität wird der Bass zu einem gleichberechtigten Partner innerhalb der verschiedenartigsten Ensembles. Ein persönliches Timbre, das Ausloten der extremen Register, höchst eigenwillige Improvisationen und die Verwendung von Darmsaiten kennzeichnen seinen unverkennbaren, faszinierenden Sound.

„…sein Spiel ist bestimmt von einer filigranen Klangästhetik, deren treibendes Moment nicht bloß die rhythmische Energie, sondern vor allem der Zusammenklang mit den anderen Instrumentalisten ist“ so Reinhard Kager (SWR) über den Bochumer Martin Blume, der  im internationalen Kontext der Avantgarde von Jazz, Improvisierter und Neuer Musik in den unterschiedlichsten Formationen  u.a. mit Musikern wie Peter Brötzmann, Peter Kowald, Johannes Bauer, Phil Minton, Lol Coxhill, Georg Gräwe, Jim Denley, Luc Houtkamp, Phil Wachsmann, John Butcher, Thomas Lehn, Xu Feng Xia, Ken Vandermark und Kent Kessler zusammenspielt. Seit 1988 leitet er hauptsächlich eigene Projekte, die ihn auf zahlreichen Konzerttourneen zu den weltweit wichtigsten Aufführungsorten und Festivals dieser Musik nach Holland, Belgien, Luxemburg, Frankreich, England, Dänemark, Schweiz, Österreich, Slowenien, Italien, USA, Kanada und Australien führten.

Kritiken:

„Mit Farben Musik zu beschreiben oder ihr zumindest näher zu kommen, ist ein verbreiteter Erklärungsversuch für das eigentlich verbalsprachlich kaum fassbare Phänomen musikalischer Wirkprozesse. Der Titel des Albums Low Yellow erschließt sich bereits beim ersten Hören der vier Tracks relativ schnell: Es handelt sich um improvisierte Musik, die nicht dick aufträgt, sondern in einem dezenten Farbstich daherkommt und in ihren Miniaturen auf Abstufungen, auf nuancierte Lyrismen setzt. Das Trio mit dem britischen Saxophonisten John Butcher, dem Niederländer Wilbert de Joode am Kontrabass und dem deutschen Drummer und Perkussionisten Martin Blume spielt seit dem Jahre 2004 zusammen, John Butcher und Martin Blume kennen sich schon länger aus der gemeinsamen Zeit mit Georg Graewes Frisque Concordance in den 1990er Jahren. Der Mitschnitt ihres Konzertes vom Sound Disobedience Festival in Ljubljana im Oktober 2016 zeigt, dass sie sich als Improvisationskünstler bestens verstehen und aufgrund ihres langen Zusammenspiels eine dichte Interaktion mit immer neuen musikalischen Einfällen kreieren können.

Low Yellow ist ein Album mit einem fein abgestimmten Trialog von Ausnahmemusikern der improvisierten Musik, mit klanglich und technisch perfekt aufeinander bezogenen Miniaturen. Statt 'minimal music' entwickeln John Butcher, Wilbert de Joode und Martin Blume eine Vielzahl von musikalischen Einfällen frei von verfestigten Strukturen oder Pattern. Kaleidoskopartig entspringt aus einer Idee die nächste, ihr musikalisches Perpetuum mobile zeugt von einem kunstvoll organischen Verknüpfen von Fragmentarischem, einem filigranen Weben an musikalischen Miniaturen frei von jeglicher Wiederholung oder Attitüde berserkerhafter Dekonstruktion. Ihr Zusammenspiel lässt sich als impressionistisch, als wunderbar 'low' im Sinne einer dezenten musikalischen Farbgebung bezeichnen."

Liner Notes zu Low Yellow,  Heinrich Brinkmöller-Becker

„Der Bochumer Schlagzeuger Martin Blume...überzeugte im Trio mit dem Briten John Butcher (Saxofon) und dem Niederländer Wilbert de Joode (Bass). Es war ein Improvisationserlebnis größtmöglicher Intensität. Ein Highlight!“
Nina Schröder, WAZ 10.04.2018

„Kein Kaputtspielen, keine überschwappende Energetik. Improv-Klischees werden nicht bedient. Die Kraft ihrer Musik entsteht aus den Details, aus kleinen Motiven, die plötzlich auftauchen und verschwinden, bevor sie wahrgenommen werden...Die Zuhörer sollten unbedingt auf ihre eigene Reise gehen.“
Thorsten Meyer, Jazzpodium 05/2018

„The title refers to music as color not applied too thickly but rather delicately, it’s one of the listening pleasures of this album to see how the musicians develop new sound aspects on the basis of finest repetitive improvisational patterns. A certain nuanced lyricism (especially in Martin Blume’s way to play the drums) is more important than energetic iconoclasm. The trio’s music is full of melodic, tonal and harmonic miniatures, contingent ideas that the trio merges into a fascinating mosaic of fragments.“
Martin Schray, Free Jazz Blog